In seinen Charakterstücken und Serenaden lässt Antonín Dvořák (1841–1904) gleichermassen die Wiener Klassik und seine Heimat Böhmen hochleben: Kunstvoll verknüpft er die lyrisch-heiteren Töne abendlicher Orchesterständchen im Freien («Serenade» op. 44) mit den stampfenden Rhythmen der osteuropäischen Volkstänze («Mazurek» op. 49) und kreiert dabei einen eigenen «slawischen» Ton, der bald international für Aufsehen sorgt. Inspiration findet er in den pulsierenden Grossstädten Wien und Prag, aber auch in der Ruhe der Berge, Wälder und Seen des Šumava, des Böhmerwalds, an der Grenze zu Bayern («Waldesruhe» op. 68.5). Sein Schüler und Schwiegersohn in spe Josef Suk (1874–1935) nimmt derweil mit seiner fröhlich-kraftvollen Streicherserenade in Es-Dur («Serenade» op. 6) Abschied vom heiteren Studentenleben und von seinem grossen Vorbild Dvořák, um kompositorisch neue Wege einzuschlagen.
Ruth Reinhardt, Dirigentin